Ten Walls‘ Facebook-Maleur

Foto: Abhay Vyas

Ten Walls wirft mehr als tausend Fragen auf.
Beat.LOG #4 sagt, was gesagt werden muss..

„Ten Walls“ hat eine zweifelhafte Meinung über Homosexuelle. Wer hätte das gedacht bei jemandem, dessen Erfolg auf einer Szene basiert, die viele ihrer Ursprünge in Schwulenclubs hatte? Ich nicht, aber es ist so. Und nun, nachdem er dem Bedürfnis nachging und seine Meinung auf seinem privaten Facebook-Profil publik machte, muss er mit der Resonanz zurechtkommen.

Man muss wahrscheinlich gar nichts mehr zum Kontext seiner Äußerung sagen, denn das Internet wurde in den letzten Tagen geradezu überschwemmt von Meldungen. Kurzgefasst: Er bezeichnet Homosexuelle als „Menschen einer anderen Rasse“ und trauert den 90ern hinterher, als sie noch „repariert“ worden seien und stellt den klassischen Vergleich zwischen Schwulen und Pädophilen an. Wahrscheinlich ist es zu viel verlangt, auch nur ein bisschen Kreativität und Einfallsreichtum von den homophoben Argumentationsketten zu erwarten.

Aber ich schweife ab. Das hier ist ja kein Blog über ethische Diskussionen. Die Problematik, auf die ich hinaus will, ist, dass ich Leute des öffentlichen Lebens nicht verstehe, die ihre kontroversen Ansichten preisgeben, ohne die negativen Konsequenzen absehen zu können und dann mit feigem Löschen von Inhalten und halbgaren Entschuldigungen reagieren. Wer hätte damit rechnen können, dass zahlreiche Auftritte Marijus Adomaitis‘ alias „Ten Walls“ abgesagt werden und es Kritik von allen Seiten hagelt? Denkt man als berühmte Persönlichkeit ernsthaft, dass Posts nicht an die Öffentlichkeit gelangen, solange sie privat sind?

Natürlich machen Menschen Fehler und tun Sachen, die sie später bereuen. Jedoch ist ein Statement von dieser Größenordnung nicht einfach vergessen, geschweige denn rückgängig gemacht, wenn man sich entschuldigt und ein bisschen Reue vorgaukelt. Es scheint sich hier schließlich nicht um einen Ausrutscher zu handeln. Und dabei sehe ich von der Tatsache ab, dass solche Entschuldigungen meistens sowieso klingen wie vom Band. Am Ende bleibt nämlich die Frage, wieviel „Ten Walls“ in Sachen Tourabsage überhaupt selbst zu sagen hatte.

Entweder man steht dazu oder man lässt es gleich. Denn jemandem, der seine Meinung plötzlich nach seinen Kritikern richtet, kann ich nur schwer ernstnehmen. Deshalb beneide ich Menschen, denen die Person hinter der Musik völlig egal ist. Doch mir ist es leider unmöglich, Musik zu unterstützen, die von jemandem kommt, dessen Ansichten ich verabscheue.

Wie bereits erwähnt habe, ging es hier weniger darum, „Ten Walls“ und seine zweifellos inakzeptablen Ansichten weiterhin an den Pranger zu stellen und viel mehr um die Frage, warum man sich als berühmte (oder nicht berühmte) Persönlichkeit äußert, wenn man am Ende nicht mal für das Gesagte grade stehen kann. Dieselbe Problematik wie bei Drake Bell und Caitlyn Jenner. So schwierig und falsch eine Meinung auch sein mag, am Ende steht niemand besser da, wenn er diese verleumdet und sich bei jeder Art von negativen Reaktionen davon distanziert.


Screenshot: Facebook


(Originalbeitrag)


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